2017 - Südtirol

 Peter Eilhauer und Michael Fröbel mit Wilko Poser und Hannes Voigt

03. September - 06. September 2017

 

Gipfel: Schneebiger Nock (3.358 m s.l.m.)

Schwierigkeit: I (UIAA)

Die Tour mit dem bekannten Südtiroler Alpinisten Hans Kammerlander war unser Geschenk zum 50. Geburtstag von Wilko.

Am Sonntagabend treffen wir uns im Hotel "Oberleitner" in Uttenheim im Tauferer Ahrtal. Nach einem zünftigen "Begrüßungsabend" fahren wir am Montagvormittag mit der Seilbahn auf den Kronplatz (2.275). Auf dem Hausberg von Bruneck besuchen wir befinden das im Juli 2015 eröffnete Messner Mountain Museum "Corones" und bestaunen die 2003 von Paul von Doss-Moroder geschaffene Friedensglocke "Concordia 2000". Anschließend geht es mit dem Auto nach Rein in Taufers. An der dortigen Säge treffen wir 16:00 Uhr den berühmten Extrembergsteiger Hans Kammerlander, nach einem Espresso steigen wir bei sonnigem Herbstwetter in knapp 2 Stunden zur Hochgallhütte (auch Kasseler Hütte oder Refugio Roma alla Vedretta die Ries) auf 2,276 Metern Meereshöhe auf, wo wir bereits zum Abendessen erwartet werden. Bei angeregten Gesprächen vergeht der weitere Abend wie im Flug, gegen 23:00 Uhr verschwinden aber alle in ihren Betten.

Der nächste Morgen begrüßt uns - entgegen allen Wettervorhersagen aus Italien und Österreich sowie dem Gespür von Hans und dem Hüttenwirt - leider nicht mit Sonne, ein leichter Nieselregen ist zum Start unser Begleiter. Doch das mäßige Wetter kann uns nicht entmutigen, wohlgelaunt steigen wir gleichmäßig zum Schneebigen Nock hinauf. Dabei berichtet uns Hans von seinen Expeditionen zu den höchsten Bergen der Welt, seinen neuen Plänen (er will die Besteigung des Manaslu in Angriff nehmen), aber auch seinen persönlichen Tiefschlägen und Missgeschicken.

Auf ca. 3.000 Metern geht der Regen dann zunehmend in Schnee über, die Sicht und die Bergverhältnisse werden immer schlechter, doch einige, z.T. mit Stahlseilen versicherte, Kletterpassagen bringen uns bis kurz vor den Gipfel. Ab hier ist der Felsen dann mit einer feinen Eisschicht überzogen, unsere Bergschuhe finden nur unzureichend Halt, aber auch die Benutzung von Steigeisen ist ob der nur dünnen Eisauflage nicht erfolgversprechend. Schweren Herzens beschließen wir den Abbruch der Besteigung und können letztendlich nur "Schneebiger Nock, Vorgipfel" in unser Bergtagebuch eintragen.

Auf dem Aufstiegsweg geht es anschließend wieder zurück ins Tal, in der Hochgallhütte erwartet uns ein warmes Mittagessen (und ein insgesamt doch berechtigter "Gipfelschnaps". Auch den weiteren Weg bis zum Sägewerk in Rein legen wir mit Hans zurück, hier verabschieden wir uns von der "Lebenden Legende" der Südtiroler Bergsteigerzunft.

Fazit der Tour: Jeder möchte einmal zu seinem Geburtstag so eine Tour geschenkt bekommen - und es muss auch nicht unbedingt ein runder Geburtstag sein !

 

 

Michael Fröbel und Rene Martin

07. September - 09. September 2017

 

Gipfel: Ortler (3.905 m s.l.m.)

Schwierigkeit: III- (UIAA)

 

Wir verabreden uns für den 07.09.2017 um 18 Uhr in Sulden. Aufgrund Krankheit und arbeitsbedingten Absagen bleiben von unserer geplanten Gruppe nur noch René und ich übrig. So läufst eben manchmal, da plant man und freut sich auf eine Tour und dann kommt doch noch etwas dazwischen

Unseren Bergführer haben wir bei der Alpinschule Ortler gebucht. Nach meiner Ankunft melde ich mich gleich im Büro und erkunde mich nach Wetter und Ablauf der Tour, alles bestens ! Vom Balkon unseres Hotels haben wir einen guten Blick zum Gipfel, die Vorfreude steigt. Nach dem Abendessen gehen wir zeitig schlafen.

Gut erholt bei sehr schönem Wetter löhnen wir den Bergführer, packen die Sachen und brechen gegen Mittag auf. Wir verlassen Sulden, 1.860 m, auf dem Wanderweg 4. Nach dem Waldstück queren wir die Schutt- und Feldflanke des Bärenköpfls und erreichen über Serpentinen nach ca. 2 Stunden die Tabarettahütte auf 2.556 m. Nach kurzer Stärkung folgen wir dem Weg bis zum Tabarettagrat, von hier geht es hinauf zur Payerhütte auf 3.029 m, sie thront wie ein Krähennest auf dem Grat. Während der letzten Meter hat man einen herrlichen Blick nach Sulden, zum Stilftser Joch und zum schneebedeckten Ortler. Für den Aufstieg benötigt man zwischen 3 und 4 Stunden, je nach Verfassung. Wir besprechen den Ablauf des Gipfeltages mit unserem Bergführer Kurt. Der Abend auf der Hütte endet kurz nach dem Abendessen, gegen 21 Uhr liegen wir lang.

Am nächsten Morgen stehen wir um fünf Uhr auf und machen Frühstück. Halb sechs geht's los, angeseilt in voller Montur verlassen wir die Payerhütte. Nach wenigen Minuten erreichen wir auf der Nordseite der Tabarettaspitze eine erste Kletterstelle, nach einer Querung geht es durch Ketten und Seile gesichert weiter bergan, hier ist Schwindelfreiheit und Trittsicherheit unbedingt erforderlich. Der weitere Weg folgt dem Grat bis zum Fuß des Gletschers den wir nach ungefähr einer Stunde erreichen. Jetzt wird es langsam hell, doch das Wetter bessert sich nicht. Es ist nebelig bei leichtem Niederschlag. Wir legen die Steigeisen an und folgen dem Gletscher vorbei an riesigen Spalten bergauf. Der bis zu 40 Grad steile Anstieg fordert seinen Tribut, der Neuschnee macht es nicht leichter. René ist nicht in bester Verfassung und zu alledem nicht akklimatisiert. Wir bringen ihn zum Ortlerbiwak, einer kleinen Wellblechhütte auf 3.316m. Hier wartet er auf unsere Rückkehr und erholt sich. Kurt und ich steigen bei immer schlechter werdenden Bedingungen weiter auf, queren mit Leitern gesicherte Spalten und erreichen nach 1:35 Stunde den Gipfel, 3.905m. Leider haben wir keine Sicht und machen uns nach ein paar Fotos auf den Weg. Der Abstieg verläuft problemlos, obwohl die Spuren des Aufstiegs schon nicht mehr zu sehen sind. Ein Bergführer ist in solchen Situationen unverzichtbar. Nachdem wir René aufgesammelt haben seilen wir uns über eine Steilstufe ca. 20 Meter ab und setzten den Abstieg bis zur Payerhütte auf dem Aufstiegsweg fort. Glücklich, den Gipfel erreicht zu haben, stärken wir uns hier, bevor wir nach Sulden absteigen.

 

Mein Dank gilt René, der seine Verfassung richtig einschätzte, und damit Kurt und mir den Gipfel ermöglichte (Text und Bilder: Michael).